Boris Story

Boris – die wahre Geschichte

1984 kam Jon Hunwick zu Delcam (oder Delta CAE, wie das Unternehmen damals noch hieß) und übernahm den Job als Techniker in der DUCT-Entwicklungsabteilung in Cambridge. Nach einer ersten Schulungsphase, in der er die üblichen Routinearbeiten erlernte – beispielsweise dafür zu sorgen, dass der PRIME 250-Rechner jeden Morgen hochfuhr, und Backup-Bänder (Spule zu Spule!) sämtlicher Arbeiten des Vortages zu erstellen –, kam eines Morgens David Sturge zu ihm. In der Hand hielt er ein Exemplar des DUCT 4.2-Handbuchs und einige kurze Schulungsnotizen. Seine Anweisung war so kurz wie einfach: „ Lern das …! “

Ungefähr zur selben Zeit wurde auch Gavin Miller (www.doctorgavin.com) als frisch diplomierter Universitätsabsolvent Mitarbeiter der Abteilung. Seine Spezialität waren moderne Verfahren zur Strahlverfolgung. Also bekam er einen ziemlich unförmigen Sigma Großrechner in die Abteilung gestellt, der aber soviel Rechenpower schluckte, dass Gavin meistens nachts arbeiten musste, um das Tagwerk der anderen Mitarbeiter nicht zu behindern. Immerhin hatte er so den PRIME 250 ganz für sich allein.

Neben der Erzeugung interessanter „ mechanischer “ Effekte wie Lichtspiegelungen, Schatten, Reflektionen etc. begeisterte sich Gavin insbesondere für Naturphänomene, z. B. plätscherndes Wasser, fraktale Landschaften und vor allem Haare (eine echte Herausforderung in der Abteilung). Nachdem er den Effekt eines unscharfen Würfels erfolgreich realisiert hatte, sah sich Gavin nach einer interessanteren Arbeit um. Aber was konnte das nur sein?

Die Antwort kam um zwei Uhr dreißig an einem frühen Dienstagmorgen. Eine große und außerordentlich haarige Spinne fiel von der Decke, landete auf seiner Tastatur und seilte sich anschließend gemütlich zum Fußboden ab, wo sie unter der Sockelleiste verschwand. Während die possierliche Spinne über den Fußboden kroch, wurde sie in Gavins Fantasie größer und größer, bis sie schließlich mindestens so groß wie ein kleiner Hund war.

Als am nächsten Morgen Jon eintraf, ereignete sich folgender kleiner Dialog:

Gavin: „ Hi Jon, ich möchte, dass du mir mit DUCT ‘ne Spinne machst. “

Jon: „ Du machst wohl Witze. “

Gavin: „ Keineswegs. Das wird bestimmt spaßig, und außerdem kann ich alles ganz haarig rendern.“

Ungefähr eine Stunde später verschwand Gavin ins Stadtzentrum und kam mit einer Spielzeugspinne aus Holz zurück. Diese bestand aus vorgeschnittenen Sperrholzplatten, die zu einem 3D-Modell zusammengesteckt wurden. Jon zeichnete die Einzelteile auf Millimeterpapier nach. In den nächsten Tagen wurden die Koordinaten in DUCT übertragen, und allmählich nahm Boris Gestalt an.

Anschließend war Gavin dran und machte einige spektakuläre Bilder:

Boris image 1 Boris image 2 Boris image 3

Allerdings stellte es Gavin keineswegs zufrieden, einfach nur originelle Bilder zu machen. Daher bestand ein weiterer Teil seiner Arbeit darin, DUCTs erste Mehrfachbearbeitungs-Algorithmen zu entwickeln, wobei er das so genannte Z-buffering einsetzte. Jon kümmerte sich derweil um die Bearbeitung und brachte die einzelnen Beine und Pedipalps (Spinnen haben keine Fühler!) am Körper an. Das Modell wurde auf einer universitätseigenen CNC-Fräsmaschine vom Typ Bridgeport Serie 1 gefertigt. Dies war ziemlich lustig, denn einer der Uni-Techniker hatte so große Angst vor Spinnen, dass er jedes Mal beim Betreten der Werkstatt einen großen Bogen um die Werkzeugmaschine machte. Und so sah Boris am Ende aus:

Final Boris Model

Einen Monat später nahm John den metallenen Boris mit auf eine Fachmesse nach London. Hugh Humphreys, der die Veranstaltung an einem Tag besuchte, verliebte sich sofort in den pelzigen Freund und entschied, dass Boris als neues Unternehmensmaskottchen mit nach Birmingham kam.

Seitdem ist Boris Teil von Delcams Logo, und es wurden hunderte Metallversionen in verschiedensten Größen angefertigt. Es gibt Boris sogar im STL-Format, und einige Lieferanten von Rapid Prototyping-Maschinen fügen jeder neuen Maschine eine STL-Version bei.

Aber eine Frage bleibt noch zu klären: Wie kam Boris eigentlich zu seinem Namen? Nun, die Antwort ist ganz einfach. Vor vielen Jahren hatte die legendäre britische Rockband The Who einen Hit mit einem Song über eine Spinne. Das Lied hieß „ Boris the spider“.

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